o-furo – Baden in Japan
Wenn man ein traditionelles japanisches Badehaus besucht – sei es ein Sentō oder ein Onsen – beginnt das Ganze ganz entspannt im Datsuijo, dem Umkleideraum. Hier stehen Körbe oder kleine Spinde bereit, in die man seine Kleidung legt. Alles wirkt ruhig, ordentlich und unkompliziert. Auf einem Stapel liegen oft die kleinen weißen Tenugui – dünne Baumwolltücher, die später mit in den Waschbereich kommen.
Im Datsuijo findet man außerdem Plätze mit Spiegeln, Föhn und manchmal Pflegeprodukten. Hier zieht man sich komplett aus – Badekleidung ist weder im Sentō noch im Onsen üblich. Das Tenugui dient nicht als „Badehose“, sondern nur zum Waschen oder um sich dezent zu bedecken, wenn man sich bewegt.

Sentō und Onsen – der kleine Unterschied
Ein Sentō (銭湯) ist ein öffentliches Badehaus mit normal erhitztem Leitungswasser. Früher waren sie in Wohnvierteln unverzichtbar, als viele Haushalte kein eigenes Bad hatten – heute sind sie ein Stück Alltagskultur.
Ein Onsen (温泉) dagegen nutzt natürliches, geothermisch erhitztes Thermalwasser mit Mineralien. Oft liegen Onsen in landschaftlich schönen Gegenden, manchmal mit Rotenburo, einem Aussenbecken. Das Badeerlebnis ist hier oft stärker mit Natur und Erholung verbunden.
Der Ablauf und die Baderegeln sind in beiden Fällen im Grunde gleich.
Vom Datsuijo geht es weiter in den eigentlichen Badebereich. Entlang der Wände befinden sich die Waschplätze: kleine Hocker (Furo-isu), Handbrausen, Wasserhähne, Shampoo und Seife. Dazu gehören kleine Schöpfgefäße, die Oke.


Bevor man in die große Wanne – das Yokusō – steigt, wäscht man sich gründlich im Sitzen auf dem Hocker. Man schäumt sich ein, spült sich sorgfältig ab und achtet darauf, niemanden nass zu spritzen. Mit dem Oke kann man sich Wasser über den Körper gießen, um Seifenreste vollständig zu entfernen.

Erst wenn man wirklich sauber ist, steigt man ins Yokusō. Die Wanne dient ausschließlich der Entspannung – nicht zum Waschen. Das Wasser ist meist sehr warm(bis 42°C). Das Tenugui bleibt am Beckenrand liegen oder wird sich – ganz klassisch – gefaltet auf den Kopf gelegt, aber niemals ins Badewasser getaucht.
Die Atmosphäre ist ruhig und respektvoll: leise Gespräche, kein Planschen, Rücksicht aufeinander. Je nach Haus können sichtbare Tätowierungen ein Thema sein – das variiert von Ort zu Ort. Aber wenn nötige geben die Bäder etwas zum Abkleben für kleinere Tätowierungen an der Kasse aus.
Übrigens: Auch in vielen Ryokan (旅館) – traditionellen japanischen Gasthäusern – sieht das Gemeinschaftsbad ganz ähnlich aus. Die Bilder sind aus einer Unkerkunft in Sasayama. Auf meinen Reisen weise ich deshalb immer vorab auf diese Badekultur hin, da sie für viele ein besonderes Erlebnis ist. Oft gehört gerade das gemeinsame Bad im Ryokan zu den schönsten und authentischsten Momenten einer Japanreise: erst das sorgfältige Waschen, dann das stille Eintauchen ins warme Yokusō – und danach entspannt im Yukata zurück aufs Tatami-Zimmer.
