Mieko SAGISAKA
Die Keramikkünstlerin Mieko Sagisaka gehört zu den zeitgenössischen Vertreterinnen der japanischen Mingei-Bewegung. Ihre Arbeiten verbinden traditionelle Handwerkskunst mit einer stillen, alltäglichen Schönheit, die tief in der japanischen Volkskunst verwurzelt ist. Besonders ihre Slipware-Keramiken zeigen den Einfluss japanischer und englischer Töpfertraditionen und zeichnen sich durch eine warme, natürliche Ausstrahlung aus.
Der Weg von Mieko Sagisaka zur Keramik begann früh. Mit zwanzig Jahren bereiste sie ganz Japan und entdeckte auf Okinawa ihre Begeisterung für Keramik. Diese Erfahrung führte sie nach Kyoto, wo sie eineinhalb Jahre lang als Assistentin bei dem Keramikmeister Toraku Mori arbeitete und sich intensiv mit koreanischen Einlegetechniken beschäftigte.
Eine entscheidende Wendung nahm ihre Arbeit jedoch erst später, als sie dem Keramiker Shigeo Suzuki begegnete, einem engen Freund von Soetsu Yanagi und Bernard Leach. Suzuki zeigte ihr eines Tages eine alte englische Slipware-Schale — schlicht, quadratisch und mit einfachen Engobenmustern dekoriert. Gerade diese Einfachheit beeindruckte sie nachhaltig. Seitdem widmet sie sich hochgebrannter Slipware-Keramik für den täglichen Gebrauch: Schalen, Teeschalen, Vasen und Geschirr, die Schönheit und Funktion miteinander verbinden.
Ihre Arbeiten sind geprägt von warmen Honigglasuren und Ascheglasuren, deren Oberflächen lebendig und zugleich zurückhaltend wirken. Im Mittelpunkt steht für sie nicht das spektakuläre Einzelobjekt, sondern die stille Qualität des Gebrauchsgegenstands. Schönheit, Freude und Alltagstauglichkeit bilden den Kern ihres Verständnisses von Keramik.
Auch das Holzbrandfeuer spielt in ihrer Arbeit eine zentrale Rolle. Gemeinsam mit ihrem Mann errichtete sie 2005 in Tokoname einen großen Holzbrandofen. Die direkte Arbeit mit Feuer, Asche und Zeit empfindet sie bis heute als Quelle neuer Energie und Inspiration.
Vita
- 1951 geboren in der Präfektur Oita, Japan
- 1973 Studium der Keramik in der Werkstatt von Toraku Mori in Kyoto
- 1976 Gründung einer eigenen Werkstatt in Iwata, Präfektur Shizuoka
- 1982 Mitbegründerin der lokalen Mingei-Vereinigung; wichtige Prägung durch den Keramiker Shigeo Suzuki
- 1985–1990 Reisen nach England zum Studium verschiedener Slipware-Traditionen; Aufenthalt und Zusammenarbeit mit dem Keramiker Clive Bowen
- 1992 Heirat mit Richard Truckle und Umzug nach Tokoname
- 1993 Finalistin der japanischen Kokuten National Competition; weitere Finalteilnahmen in den folgenden Jahren
- 2001 Einladung an das Community College of Key West, Florida (USA) für Ausstellung und Vorführungen
- 2004 Aufbau einer Werkstatt im Ferienhaus in Frankreich
- 2005 Bau eines großen Holzbrandofens im Süden Tokonames
- 2007 Einladung ins Écomusée Tuilerie de Pouligny in Frankreich sowie Teilnahme am Keramikfestival von Limeuil im Südwesten Frankreichs
Link
http://richardandmiekopottery.com/
